Stadion Marius Ndiaye

Hinten links nach rechts: Adrame Ndiaye, Déthié Diaham, Barké Boureima Niasse; Vorne links nach rechts: Pape Thiam, Pape Abdoulaye Ndiaye, Elhadj Babacar

Von links nach rechts: Pape Thiam, Barké Boureima Niasse, Pape Abdoulaye Ndiaye, Elhadj Babacar, Adrame Ndiaye, Déthié Diaham

Stadion Léopold Senghor

Badminton im Senegal

Mein Name ist Ann-Kristin und normalerweise spiele ich in der ersten Mannschaft der Badmintonabteilung des TV Gelderns.

Am 24. September bin ich nach Beendigung meines Masterstudiums für ein knapp dreimonatiges Praktikum beim Kompetenzzentrum Frieden und Sicherheit der Friedrich-Ebert-Stiftung nach Westafrika in den Senegal geflogen. Um weiterhin sportlich aktiv zu bleiben und mich auch außerhalb sogenannter “Expat Bubbles” zu bewegen, habe ich mich dem dortigen Badmintonverein angeschlossen. Expat Bubbles beziehen sich darauf, dass Auswanderinnen und Auswanderer (Expatriates auf Englisch) in fremden Ländern häufig miteinander beruflich und privat sehr viel Zeit verbringen und dabei kaum in Kontakt mit der eigentlichen Bevölkerung des Landes kommen.

Der Amitié Badminton Club in Senegals Hauptstadt Dakar, wo ich momentan wohne, ist der größte Badmintonverein Senegals. Der Verein hat leider keine Website, auf der man sich über beispielsweise Trainingszeiten informieren könnte, sondern verfügt lediglich über eine Seite bei Facebook. Hierüber habe auch ich den ersten Kontakt zu den Sportlerinnen und Sportlern hergestellt.

Badminton im Allgemeinen ist in Senegal recht unbekannt. Fast alle Badmintonspielerinnen und -spieler, die sich selber “Badiste” nennen, sind durch die internationale französische Schule, in der im Gegensatz zu lokalen Schulen im Sportunterricht auch Badminton gespielt wird, zu dieser Sportart gekommen. Der Verein ist auf Initiative von des Trainers Khalil Ndiaye im Jahre 2012 entstanden. Durch eine US-amerikanische und französische Sportgruppe, die sich dem Badmintonsport verschrieben hatte, lernte er 2005 diesen Sport kennen. Als Sportlehrer an der französischen internationalen Schule in Dakar gab er ab 2008 sein Wissen an seine Schülerinnen und Schüler weiter, die von diesem Sport begeistert waren, und auf deren Initiative im Laufe der Zeit der Verein entstand. Noch heute besteht ein großer Bestandteil der Vereinsspieler aus Ndiayes ehemaligen Schülerinnen und Schülern.

Als ich Ende September in Dakar ankam, lagen die Temperaturen nachmittags bei weit über 35 Grad, begleitet von intensivem Sonnenschein und einer hohen Luftfeuchtigkeit. Aufgrund der Hitze findet das Training ausschließlich morgens ab etwa zehn Uhr statt. In den Schul- und Semesterferien trainieren einige der „Badistes“ auch werktags um diese Uhrzeit, ansonsten wird hauptsächlich am Wochenende gespielt.

Trainiert wird dabei in einer von zwei zur Verfügung stehenden Turnhallen. Samstags treffen sich dabei die „Badistes“ normalerweise im Stadium Léopold Sédar Senghor. Hier steht allerdings lediglich ein Torbogen des Stadions zur Verfügung, in dem ein Netz aufgebaut wird. Da der Raum an einer Seite keine Wand hat, sondern zum Stadion hin offen ist, sind die Spielbedingungen nicht optimal, da der leichte Federball bei jedem Windstoß seine Flugbahn ändern kann. Mit etwas Glück können wir jedoch gelegentlich einen Raum im Keller des Stadions nutzen. Hier allerdings ist die Beeinträchtigung, dass der Fußboden aus Holz ist, und die aufgemalten Linien des Badmintonfeldes auf dem Boden nicht mit den Maßen eines regulären Feldes übereinstimmen. Es ist deutlich zu kurz, zu schmal, und eine Seite ist länger als die andere.

Deutlich komfortabler ist da das Stadion Marius Ndiaye, in dem wir sonntags spielen. Der Boden ist hier aus Stein und an vielen Stellen unebenmäßig und rutschig. Dafür gibt es hier drei regelkonforme Felder. Dadurch, dass die Sportart in Senegal kaum bekannt ist, gibt es im Supermarkt leider keine vernünftigen Schläger oder Federbälle zu kaufen.

Die Ausgangsbedingungen für den Verein sind insgesamt also semioptimal. Sehr viel Glück hatten dafür sechs Spieler des Vereins, die im Sommer dieses Jahres vom chinesischen Badmintonverband zu einem knapp zweimonatigen Trainingslager in der chinesischen Stadt Hangzhou eingeladen wurden. Sämtliche Kosten für Flüge, Unterkunft und Verpflegung wurden dabei im Rahmen des China Aid Development Programms getragen. So reisten knapp 50 Sportlerinnen und Sportler aus elf afrikanischen Ländern nach China, um ihre Technik, Laufwege und Kondition zu verbessern. Während des Trainingslagers spielten die Spielerinnen und Spieler werktags von acht bis elf Uhr morgens und von vierzehn bis siebzehn Uhr Badminton. Am Wochenende kamen noch Ausflüge, Turniere und Treffen mit chinesischen Badmintonprofis wie Alex Zolobé hinzu. Die gewonnenen Fähigkeiten geben die Athleten seitdem an den Rest der Vereinsmitglieder weiter. Beim Training sind häufig etwa 30 Spielerinnen und Spieler aller Altersgruppen und Spielstärken anwesend, sodass aufgrund des knappen Platzes meistens Doppel gespielt wird. Sofern es die Kapazitäten jedoch zulassen, werden kleine Übungen durchgeführt, welche entweder vom Coach oder den nach China eingeladenen Sportlern koordiniert werden.

Aufgrund der Beschaffenheit der Spielfelder und den heißen sind die Ausgangsbedingungen für den Sport bei weitem nicht optimal. Trotzdem hat sich hier eine tolle Bewegung mit sehr vielen großartigen und motivierten Sportlerinnen und Sportlern entwickelt, die den Badmintonsport lieben. Die Spielerinnen und Spieler erzählten mir, dass sie an diesem Sport besonders mögen, dass er eine Vielzahl von Talenten voraussetzt. Neben guten Reflexen muss ein herausragender „Badiste“ eine gute Ausdauer, eine hohe Schnelligkeit, Sprungkraft und Mobilität haben. Für die Zukunft wünschen sich die Spielerinnen und Spieler vor allem die Gründung eines Badmintonverbandes, der es ihnen ermöglichen würde, an internationalen Wettkämpfen wie den Olympischen Spielen oder den Weltmeisterschaften teilnehmen zu. Ein besserer Zugang zu Equipment und eine bessere Sport- und Jugendförderung seitens des senegalesischen Staates würde zudem signifikant zum Spaß und zur Spielstärke der „Badistes“ beitragen. Ich wünsche ihnen dabei viel Erfolg und möchte mich sehr herzlich bei allen Sportlerinnen und Sportlern des Vereins bedanken, die mich sehr herzlich willkommen und in den Verein integriert haben.

Vielen Dank!